War Brunner ein Spinozist? Anmerkung 2: Die Attribute

Was hat Brunner mit Spinozas Attributen gemacht? Er hat sie, metaphorisch gesprochen, abgerissen und auf völlig neue Weise wieder aufgebaut.

Spinozas Attribute sind keine Eigenschaften der Substanz, sondern die Form, in der die Substanz für uns erkennbar wird. Deshalb teilen die Attribute auch die Merkmale der Substanz; sie sind ewig, unendlich, notwendig usw.
Es gibt nach Spinoza unendlich viele Attribute, aber nur zwei davon sind uns zugänglich: res cogitans (Geist) und res extensa (Materie) - die beiden von Descartes als solche bezeichneten und streng getrennten Substanzen. Spinoza macht sie zu verschiedenene Erscheinungsformen der einen einzigen Substanz und kann deshalb im strengen Sinne auch weder als Idealist noch als Materialist gelten.
Brunner lässt den Unterschied zwischen res cogitans und res extensa überhaupt nicht mehr gelten, sondern hebt beide im Denken eines univeralen Bewegungszusammenhangs auf. Brunner ist eindeutig Idealist.
Er rehabilitiert die Attribute in Form der inneren Gattungen, also als Denkformen, die ihren Ursprung nicht bei Spinoza, sondern in Platons Ideenlehre haben.

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