Hat Brunner eine Geschichtsphilosophie?

Brunner hat nie ein Werk zur Geschichtsphilosophie geschrieben, doch man weiß, dass seine geplante Dissertation einen geschichtsphilosophischen Inhalt haben sollte. Es gibt in seinen Schriften einige Bemerkungen, die eine geschichtsphilosophische Konzeption andeuten, nämlich ein Verständnis von Geschichte als Kampf zwischen Wahrheit und Aberglaube, zwischen den “Geistigen” und dem “Volke”. So schreibt er in seiner kleinen Schrift “Spinoza gegen Kant”:
“Dieser Zustand des Verflochtenseins von Aberglauben und Wahrheit, welcher die Menschengeschichte beherrscht, so lang wir sie kennen, wird aufhören…und die geistigen Naturen werden ihr Leben finden.”
Danach wird sich die Geschichte erfüllen in einer Welt, in der die Geistigen sich heimisch fühen und der Aberglaube verschwindet - eine eschatologische Konzeption, die von der Struktur jüdisch-christlichen Ursprungs ist und dem utopischen Denken von Marx und Bloch verwandt ist: Geschichte als Kampf zwischen gut und böse mit dem Ende der Erlösung.

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