Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Über das Vorurteil

Dienstag, den 14. März 2017

Die Bekämpfung von Vorurteilen war eines der wichtigsten Anliegen der Aufklärung. Gemeint waren Vor-Urteile im Sinne falscher und unzureichender rationaler Urteile. Brunner zeigt die Grenzen dieser Art von Aufklärung auf. “Vorurteile” sind keine “Vor-Urteile” und gehören überhaupt nicht in den Bereich der Rationalität, sondern in den Bereich des Fühlens und Wollens. Der Vorurteilende denkt nicht [...]

“Die Menschheit ist einheitliche Menschheit”

Montag, den 6. März 2017

“Die Menschheit ist einheitliche Menschheit” - mit diesem Satz hat sich Brunner gegen jede Art des Rassismus und Antisemitismus gewandt. Er ist Ausdruck eines Universalismus, auf dessen Grundlage Brunner auch seine Rechts- und Staatstheorie entwickelt hat.
Hätte er es doch nur dabei bewenden lassen! Denn mit der Einführung des Gegensatzes zwischen den “Geistigen” und dem “Volk” [...]

Der rehabilitierte Egoismus

Mittwoch, den 1. März 2017

Der Egoismus hat einen schlechten Ruf. Er gilt als Schmuddelkind der Moralphilosophie und politischen Philosophie. Brunner hat das Verdienst, dass er den Egoismus als eine anthropologische Konstante und als eine wertneutrale Grundlage unseres Handelns rehabilitiert hat. Für Brunner ist er nichts anderes als das natürliche Eigeninteresse im Dienst der eigenen Lebensfürsorge. Wenn wir uns mit [...]

War Brunner ein Spinozist? Anmerkung 3: Kausalität

Montag, den 20. Februar 2017

Für Spinoza ist Kausalität das Weltgesetz, und zwar nicht im relativen, sondern im absoluten Sinne. Die Naturordnung ist identisch mit Kausalverbindung. Gott, die Substanz, ist mit Natur identisch (Deus sive natura). Gott ist die Ursache von allem, einschließlich seiner selbst (causa sui). Hätten wir Einsicht in alle Kausalverknüpfungen, würde sich uns Gott auf rationale Weise [...]

War Brunner ein Spinozist? Anmerkung 2: Die Attribute

Mittwoch, den 8. Februar 2017

Was hat Brunner mit Spinozas Attributen gemacht? Er hat sie, metaphorisch gesprochen, abgerissen und auf völlig neue Weise wieder aufgebaut.
Spinozas Attribute sind keine Eigenschaften der Substanz, sondern die Form, in der die Substanz für uns erkennbar wird. Deshalb teilen die Attribute auch die Merkmale der Substanz; sie sind ewig, unendlich, notwendig usw.
Es gibt nach Spinoza [...]

War Brunner ein Spinozist? Anmerkung 1: Die Substanz und das “Denkende”

Montag, den 6. Februar 2017

Brunner hat für sich in Anspruch genommen, Spinozas Philosophie im 20. Jahrhundert reformuliert zu haben. Für seine Anhänger ist seine Lehre ein “Erläuterung der ‘Ethik’ Spinozas” (M. Sterian). Muss man dem folgen?
Formal trennen die beiden Philosophen Welten: Stilistisches Vorbild Spinozas ist der mathematische Traktat, für Brunner ist es die rabbinische Predigt.
Dieser formale Unterschied ist [...]

Der Mythos Sokrates

Montag, den 9. Januar 2017

Für Brunner ist Sokrates wie für viele andere Philosophen eine Vorbildfigur. Er nennt ihn sogar einen Heiligen in dem Sinne, dass er theoretische Einsicht und moralische Lebenspraxis zu einer Einheit geführt hat.
Ob dies berechtigt ist, ist zumindest fragwürdig. Sokrates war der Guru der jeunesse dorée Athens, der Jugend aus konservativem und adligem Haus, die sich [...]

Neues über Brunner

Mittwoch, den 4. Januar 2017

Wer noch keine blasse Ahnung hat, wer Brunner war und was er geschrieben hat: Hier ist meine kleine Einführung in Leben und Werk. Erhältlich ab Frühjahr 2017

Schopenhauers Teufel und Brunners Gott

Sonntag, den 25. Dezember 2016

Brunner wirft Schopenhauer vor, er habe das, was er als Wesen der Welt begreift, den “Willen”, nicht nur als Antwort auf das verstanden, was die Welt im Innersten zusammenhält, sondern ihn auch mit einer affektiven, moralischen Wertung versehen. In der Tat verknüpft Schopenhauer mit dem Begriff des Willens Metaphysik und Ethik. Der Wille als elementare [...]

Hat Brunner eine Geschichtsphilosophie?

Donnerstag, den 4. August 2016

Brunner hat nie ein Werk zur Geschichtsphilosophie geschrieben, doch man weiß, dass seine geplante Dissertation einen geschichtsphilosophischen Inhalt haben sollte. Es gibt in seinen Schriften einige Bemerkungen, die eine geschichtsphilosophische Konzeption andeuten, nämlich ein Verständnis von Geschichte als Kampf zwischen Wahrheit und Aberglaube, zwischen den “Geistigen” und dem “Volke”. So schreibt er in seiner kleinen [...]