Archiv für Januar 2016

Säkulare Erlösung

Donnerstag, 28. Januar 2016

Brunners Ethik wird von einem religiösen Erlösungsgedanken inspiriert, der als Idee von der Verwandlung des Menschen Eingang in eine säkulare Mystik findet. So heißt es schon bei Meister Eckehart: ?Die Leute brauchten nicht soviel nachzudenken, was sie tun sollten; sie sollten vielmehr bedenken, was sie wären. Wären nun aber die Leute gut und ihre Weise, so könnten ihre Werke hell leuchten. Bist du gerecht, so sind auch deine Werke gerecht.? Brunner folgt Eckehart: Gerechtes Tun ist unmittelbare Folge des verwandelten, erlösten Menschen.
Ob dies als Ethik reicht, ist fraglich. Um die täglichen, situationsbedingten Entscheidungen treffen zu können, braucht es eine an der Erfahrung geschulte Klugheit. Eine Klugheitstheorie gibt es bei Brunner aber nicht.

Brunner und der Staat Israel

Dienstag, 26. Januar 2016

Brunner war ein bekennender Antizionist, aber hat die Shoa nicht mehr erlebt. Hätte er den Staat Israel akzeptiert? Ich halte das nach der Erfahrung der Shoa für möglich. Der Staat Israel war eine notwendige Antwort auf den Holocaust.
Doch die Probleme, auf die Brunner hingewiesen hat, bleiben: Man kann im Grunde keinen Staat auf ethnischem oder religiösem Fundament, sondern nur auf allgemeine Rechtsprinzipien gründen. Israel ist ein von Juden gegründeter Staat, der aber die israelische Staatsbürgerschaft auch für andere Ethnien und Religionen offen halten muss. In diesem Sinne kann es einen rein “jüdischen Staat” im strengen Sinne nicht geben.

Brunner, der A-Moderne

Dienstag, 19. Januar 2016

Constantin Brunner (1862-1937) gehört zur Generation Croces, Freuds und Bergsons und war Zeitgenosse der künstlerischen und wissenschaftlichen Revolution der Moderne. Doch er war weder Teil der Bewegung noch hat sie Einfluss auf sein Denken gehabt. Brunner zog sich bewusst ins Abseits zurück. Einsteins Relativitätstheorie, die Prozessontologie Whiteheads, die abstrakte Malerei Kandinskys, die atonale Musik Schönbergs, der Bewusstseinsroman eines Proust oder Joyce – nichts davon hat Einfluss auf Brunner gehabt, obwohl seine Bewegungslehre zu Anschlüssen an die Moderne geadezu einlädt. Brunner hat die Moderne links liegen lassen. Er blieb ein A-Moderner.

Bloggen für Brunner

Montag, 18. Januar 2016

Die Shoa hat nicht nur Menschen, sie hat auch Werke und Ideen vernichtet. Zu ihnen gehört das Werk des Philosophen Constantin Brunner, das in Philosophiegeschichten nicht mehr erwähnt wird: ein lebensreformatorischer Mystiker, aufklärerischer Staatsphilosoph und Ontologe der Relativität. Mit ihm und seinen Ideen will sich dieser Blog auseinandersetzen.